Bergheim
20.11.2005
Pelzverkauf bei der Wöhrl AG
Ihr Schreiben vom 08.11.2005
Sehr geehrte Frau Wöhrl,
ich habe Ihr Schreiben zur Kenntnis genommen, bin allerdings mehr als befremdet, dass Sie von sich immer noch als Tierschützerin reden.
Nachdem die CDU/CSU jahrelang verhindert hat, dass der Tierschutz ins Grundgesetz aufgenommen wurde, renommieren Sie nun für sich das Verdienst, dass es aufgrund Ihrer jahrelangen Bemühungen gelungen ist, den Tierschutz im Grundgesetz zu verankern? Falls Ihnen das Ergebnis der damaligen Abstimmung entfallen sein sollte:
Ja- Stimmen: SPD: 296; CDU/CSU: 165; Die Grünen: 43; FDP: 35; PDS: 30; fraktionslos: 1
Nein- Stimmen: CDU: 18; FDP: 1
Enthaltungen: CDU: 14: SPD: 1
Da es sich um eine namentliche Abstimmung gehandelt hat, ist dem Protokoll zu entnehmen, dass Sie auch für ja gestimmt hatten. Dass aber Tierschutzverbände und nicht allein Sie dafür gekämpft haben, wird wohl gerne vergessen.
Ich will noch eine weitere Gedächtnislücke auffrischen. In dem Interview, das Sie am 11.02.2005 dem Lifestylemagazin des Nordbayernkuriers gegeben haben – also vor vielen Jahren, als Sie die Rechtsabteilung aufgegeben haben - ist folgende Passage zu finden:
„Gegen Pelze von Nutztieren ist nichts zu sagen“, meint Dagmar Wöhrl, CSU-Politikerin, Juristin im Bekleidungshaus ihres Mannes Hans Rudolf Wöhrl und Präsidentin des Tierschutzvereins Nürnberg- Fürth. Dennoch würden in dem Unternehmen keine echten Pelze verkauft.“
Ja was denn nun Frau Wöhrl, überhaupt keine Pelze oder doch nur von schlacht- oder jagdbaren Tieren? Von einer Tierschützerin sollte man eigentlich erwarten, dass sie generell gegen den Pelzverkauf ist, egal ob es sich um Tiere handelt, die man in europäischen Landen ißt oder nicht. In den asiatischen Ländern werden übrigens auch Hunde oder Katzen gegessen. Haben Sie mit der Verwertung dieser Felle auch keine Probleme?
Eine telefonische Nachfrage in Ihrem Stammhaus in Nürnberg in der Damenabteilung hat ergeben, dass die dort angebotenen Pelze von Fuchs und/oder Waschbar stammen. Glauben Sie wirklich, dass diese Tiere auf der Jagd erlegt wurden oder nicht doch in Pelzfarmen unter qualvollen Bedingungen gezüchtet wurden?
Und warum machen Sie einen Unterschied zwischen Kleidungsstücken, die ganz aus Pelz sind und denen, die nur mit Pelzapplikationen versehen sind? Wenn man nur ein kleines Schnitzel haben will, tötet man doch auch das ganze Tier und schneidet nicht nur ein Stückchen ab, oder? Der Tod ist in jedem Fall der gleiche.
Es mag ja stimmen, dass Sie sich aus der Firma Wöhrl zurück gezogen haben, dass Sie aber – wenn Sie es denn wollten – keinen Einfluß mehr auf die Verkaufspolitik haben, das nehme ich Ihnen nicht ab.
Sie bleiben für mich eine Politikerin, die zwar für den Tierschutz im Grundgesetz gestimmt hat, ihn aber, wenn es darauf ankommt, in der Praxis nicht konsequent umsetzt und statt dessen sich mit fadenscheinigen Argumenten aus der Affaire zieht. Anstatt ein Zeichen zu setzen und sich generell gegen den Pelzhandel auszusprechen, pflegen Sie einen Speziesismus, der der Öffentlichkeit suggeriert, dass es schon in Ordnung ist, Pelz zu tragen, solange es halt kein Edelpelz ist. Mit Tierschutz hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun.
Mit freundlichen Grüßen
Christina Kremer