Erst kommt das Fressen, dann die Moral- auch bei den Grünen
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen soll Stellung nehmen
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Dass ein Parteimitglied derartig abartige Tierquälereien zugunsten seines persönlichen Vorteils befürwortet und auch bei den Grünen das Fressen vor der Moral kommt, sollte eigentlich auch den Fraktionsvorsitzenden interessieren. Und deshalb bitte ich ihn um Stellungnahme.
Herrn
Reinhard Jütte
Stettiner Straße 24
50126 Bergheim
Bergheim, 29.04.2006
Stellungnahme Ihrer Partei zu Produkten aus Tierquälerei
Sehr geehrter Herr Jütte,
ich betreibe seit geraumer Zeit politischen Tierschutz. Im Rahmen dieser Tätigkeit habe ich beim Deutschen Bundestag u.a. eine öffentliche Online-Petition eingereicht, die sich gegen den Import und Handel mit Tierpro-dukten richtet, die durch Zwangsfütterung erzeugt werden wie z. B. Enten- oder Gänsestopfleber. (Foie Gras).Zu finden unter
http://itc.napier.ac.uk/e-petition/bundestag/view_petition.asp?PetitionID=127
Am 27. 04.2006 hatte ich Ihrem Geschäftsführer, Herrn Roos, vier Links zu Tierschutzpetition mit der Bitte um Mitzeichnung übersandt. Dieser Bitte ist Herr Roos auch nachgekommen. Bis auf die Petition gegen die Gänsestopfleber. Herr Roos hat dies wie folgt begründet:
„Sorry, die Petition gegen Foie Gras kann ich nicht unterschreiben - die ist einfach zu lecker.“
Ich werde Ihnen nun im einzelnen erklären, warum ich diese Antwort so ungeheuerlich finde.
Gänse oder auch Entenstopfleber wird dadurch erzeugt, dass den Tieren mehrmalsl täglich ein 40 – 50 cm langes Rohr zwangsweise in die Speiseröhre gesteckt und ihnen das Futter in den Magen gestopft wird. Dabei wird mit den Tieren nicht besonders zimperlich umgegangen, so dass es oft zu Verletzungen der Speiseröhre kommt, die natürlich nicht ausheilen können. Im schlimmsten Fall und bei ungeschickter Handhabung wird auch schon mal die Speiseröhre durchstoßen. In einigen Betrieben wird der Futterbrei mit Pressluft in den Magen der Gänse gepresst. Nicht selten platzt dabei der Magen der Tiere, die dann unter furchtbaren Schmerzen verenden.
Überlebt die Gans oder Ente die tägliche Tortour, so leidet sie trotzdem Höllenqualen. Denn durch die zwangsweise Fütterung vergrößert sich die Leber innerhalb kürzester Zeit auf eine krankhafte Größe bis zum achtfachen ihres üblichen Gewichts. Die überdimensionierte verfettete Leber drückt auf die anderen Organe und verursacht den Tieren große Schmerzen und Atemnot.
Die Zwangsfütterung gilt in Deutschland als Tierquälerei und ist deshalb verboten, der Import und der Handel nicht. Um diese Inkonsequenz zu beenden, habe ich die Petition eingereicht.
Und nun erklärt mir ein Politiker der Grünen allen Ernstes, dass er diese Tierquälerei befürwortet, weil die Leber so lecker ist. Da ignoriert Herr Roos zugunsten eines äußerst fragwürdigen Gaumenkitzels diese immense Tierquälerei und das, obwohl ich in der Begründung meiner Petition erwähnt habe, dass es inzwischen Methoden gibt, Gänse- und Entenleber mit annähernd dem gleichen Geschmack und der Konsistenz wie Foie Gras ohne Zwangsfütterung zu erzeugen. Auf sein dekadentes Vergnügen hätte er also gar nicht verzichten müssen. Aber vielleicht war es auch zuviel verlangt, die Petition bis zum Ende zu lesen.
Es würde mich nun interessieren, wie Ihre Fraktion zu dieser Angelegenheit steht. Herr Roos hat Durchschrift dieses Schreibens erhalten – der Kölner Stadtanzeiger und die Kölner Rundschau allerdings auch.
Mit freundlichen Grüßen
Christina Kremer