Erst kommt das Fressen, dann die Moral- auch bei den Grünen
Herr Steffens antwortet auch

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Herr Steffens ist Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit bei den Grünen, und deshalb bekomme ich jetzt auch einen Brief von ihm:

Von: RoSt [mail@rost-digital.com]
Gesendet: Donnerstag, 4. Mai 2006 22:57
An: info@fueralletiere.de
Betreff: Grüne Bergheim

Sehr geehrte Frau Kremer,

nun, eine Stellungnahme der Grünen in Bergheim ist das persönliche Statement von Herrn Roos keineswegs. Herr Jütte hat mich in Kenntnis von dem Vorgang gesetzt, als Verantwortlicher der Internetseiten und Öffentlichkeitsarbeit der Partei in Bergheim - aber auch als Mitglied - möchte ich Ihnen einen Kommentar zusenden, der wohl eher der mehrheitlichen Position der Grünen Bergheim entspricht:

Foie gras wurde wegen der barbarischen Grausamkeit an den Gänsen zu Recht weltweit in vielen Ländern gesetzlich verboten, z.B. auch in Deutschland. Leider ist unsere Gesetzgebung aber bei weitem nicht ausreichend, denn der Import aus anderen Ländern ist nach wie vor erlaubt. Aufgrund dieses nicht konsequenten Gesetzes gehören die Deutschen zu den begierigsten Importeuren, somit gibt es in diesem Bereich für uns Grüne noch viel Handlungsbedarf.
Mein persönlicher Kommentar:
Ich gestehe es - als Fleischesser bin ich durchaus ein Freund von Gänseleber, womit ich allerdings die gesunde, ca. 100g leichte Gänseleber meine! Warum um alles in der Welt soll ich ein um das 10fache vergrösserte, kranke Organ eines geschundenen Tieres essen? Ich will gesunde Nahrung - also gehe ich zum Bauern meines Vertrauens und kaufe mir dort meine natürlich gehaltene Martinsgans.

Ich finde es sehr wichtig, dass bei der Haltung von Tieren, die für den menschlichen Verzehr gezüchtet werden, mehr als ein Mindestmass an Tierschutz und Ethik eingehalten wird. Und ich finde es unverzichtbar, dass gerade Menschen, die Fleisch essen, peinlichst genau auf die Bedingungen achten, unter denen das "Lebensmittel Fleisch" produziert wird. Meine Einstellung zum Tierschutz wird auch in einem meiner Bilder deutlich sichtbar. Ich sende Ihnen den direkten Link.

http://wwwmusic-meets-art.com.html

Klicken Sie dort bitte auf den Punkt The Model rechts unten - das mittlere Bild. Im Begleittext nehme ich dort auch Bezug - sicher nicht mit feiner Zunge gesprochen...

Viele Grüsse
Rolf Steffens


Mein Kommentar:

"nun, eine Stellungnahme der Grünen in Bergheim ist das persönliche Statement von Herrn Roos keineswegs".
Das will ich aber auch gehofft haben. Schlimm genug, dass sich ein Politiker der Grünen derartig äußert.

"der wohl eher der mehrheitlichen Position der Grünen Bergheim entspricht".
Die Formulierung ist bemerkenswert. Er glaubt also selber nicht, dass alle Grünen in Bergheim so denken. Da hat Herr Steffens gar nicht so Unrecht, denn zumindest einer hat sich ja schon geoutet.

"somit gibt es in diesem Bereich für uns Grüne noch viel Handlungsbedarf".
Das glaube ich auch, vor allem in den eigenen Reihen.

"Und ich finde es unverzichtbar, dass gerade Menschen, die Fleisch essen, peinlichst genau auf die Bedingungen achten, unter denen das "Lebensmittel Fleisch" produziert wird."
Können vor Lachen. Dann hätten die Politiker erst einmal dafür sorgen müssen, dass nicht nur die Eier, sondern alle tierischen Produkte entsprechend gekennzeichnet werden. Solange dies nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, sind der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Denn auch das Bioetikett nach der EU-Verordnung hält nicht das, was es verspricht. Bio ist nämlich nicht identisch mit artgerecht, vor allem dann nicht, wenn tausend Ausnahmen und entsprechend lange Übergangsfristen vorgesehen sind. Wenn ich nicht gerade den Bauern persönlich kenne - und welcher Stadtmensch tut das schon - dann tappe ich als Verbraucher weiterhin im Dunkeln. Ob das nun politisch so gewollt ist, will ich jetzt erst einmal gar nicht unterstellen.

" Ich will gesunde Nahrung - also gehe ich zum Bauern meines Vertrauens und kaufe mir dort meine natürlich gehaltene Martinsgans".
Na klar, der nächste Bauer ist ja gerade mal um die Ecke. Vor allem, wenn man nicht auf dem Dorf, sondern in der Stadt wohnt. Der Bauer wird sich bedanken, wenn ganz Köln Schlange bei ihm steht. Ich kann mir das so richtig vorstellen. Herr Steffens hat das Problem- zumindest ansatzweise - für sich gelöst. Aber die anderen? Ob allerdings der Bauer seines Vertrauens die Gans - ob unwissentlich oder nicht - mit gentechnisch verändertem Mais oder Getreide gefüttert hat, sieht man der Gans auch nicht an. Auch hier bleibt für die Politiker - und zwar für alle Parteien- viel zu tun. Nicht nur die Kennzeichnung nach Herkunft und Haltungsform der Tiere, sondern auch die Angabe, mit welchem Futter die Tiere großgezogen wurden, wäre wichtig. Da bin ich mir allerdings sicher, dass dies solange nicht Gesetz wird, wie Seehofer das Sagen hat. Einen besseren Lobbyisten für die Tierfabriken und den konventionellen Landbau hatten die Bauern noch nie. Und da bekommt das Wort Verbraucherschutz plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Da werden nämlich die Industrie und die konventionellen Bauern vor den Verbrauchern geschützt. Und damit das keinem auffällt, bastelt Seehofer mal schnell einen Entwurf zum Verbraucher(des)informationsgesetz. Aber das ist schon wieder eine andere Baustelle.

"sicher nicht mit feiner Zunge gesprochen..." Wie wahr, wie wahr.

Fazit:

Die Meinung des Hern Roos ist nun nicht die offizielle Meinung der Grünen, sondern nur seine private Meinung. Schlimm genug, würde ich sagen. Aber immerhin, Herr Jütte und Herr Steffens haben die Petition mitgezeichnet. Ist ja auch schon was.