Brigitte von Boch-Galhau
Die Zeitung Saar-Echo berichtet

Zurück Übersicht Weiter
Saar -Echo Meldung vom 26.10.2003

Linslerhof, ein Paradies für Menschen
Aber nicht für Katzen / Brigitte von Boch-Galhau läßt die Tiere vorsätzlich aushungern

Überherrn. Nicht nur der Mensch finde auf dem Linslerhof zu Überherrn ein Paradies, so heißt es in den Weiten des Internet-Auftritts rund um alles, was sich auf dem Vorzeigegutshof am Rande von Überherrn abspielt. Alles dort scheint außergewöhnlich, edel, luxuriös, losgelöst, kurzum: unglaublich. Superlative von PR-Hofberichterstattern. Allerfeinstes, Erlesenes und wie von echtem alten Adel. Ein Märchen, so schreiben sogar frömmelnde Feuilletonisten und längst blind gewordene Zeitschriften-Claqueure, die sich dem Objekt nur betend oder unter Absingen Gregorianischer Choräle nähern und die Begrüßung der hohen Herrschaften im reinsten Hexameter vornehmen. Bei weniger Gebildeten reicht denn auch das Scheckbuch als Nachweis zur Teilhabe am Paradies, bestehend aus der hohen Kunst des Waidwerks, des erlesensten Kulturkonsums, der innovativsten Hotellerie, des traditionsbewußten Pferdesports und, und, und... Das Paradies Linslerhof – eine kecke Untertreibung. Das ist der Himmel! So scheint es jedenfalls, wenn man länger als einige Stunden im Internet einschlägig surft und die arrangierten Lobgesänge verinnerlicht...

Seit einigen Tagen ist das “Paradies nicht nur für Menschen” in Verruf gekommen. Dafür haben die Tierschutzorganisationen des Landes inzwischen deutschlandweit gesorgt. Es geht darum, daß Frau Honorarkonsulin Brigitte von Boch-Galhau Weisung ans Personal gegeben haben soll, die hofeigenen Katzen aus der paradiesischen Lebend-Inventarliste zu streichen. Hierzu verfügte sie gegenüber dem Personal wie den Gästen des Hauses ein strenges Fütterungsverbot. Die Mini-Tiger werden zur Zeit ausgehungert.

Der Verein der Katzenfreunde hat sich nach eigenem Bekunden an Brigitte von Boch-Galhau gewandt und seine Hilfe und Betreuung angeboten. Nichts, ohne jede Eingriffsmöglichkeit müssen die Katzenfreunde dem Katzenelend zusehen. Nun hat der Deutsche Tierschutzbund eingegriffen, der den Linslerhof zwar als Idyll erkennt, aber nicht für Katzen. In nachfolgendem Brief wandten sich die Tierschützer an die deutsche Öffentlichkeit:

Das Aushungern der Katzen hat begonnen.

Die Eigentümerin des Linslerhofes, Frau Brigitte von Boch, hat vor einigen Wochen (an Mitarbeiter und Hofnutzer) die Anordnung erteilt, die Fütterung der dort frei lebenden Katzen sofort einzustellen. Auf Wunsch des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Saarland erfolgte ein Gespräch mit Frau von Boch, dem Hof-Management sowie dem Verein der Katzenfreunde, der die Katzen vor Ort betreute. Die Tierschützer erörterten die leidvollen Konsequenzen einer Aushungerung und schlugen eine kontinuierliche, tiergerechte Verringerung der Population, etwa durch den Bau eines abseits gelegenen Katzenhäuschens, Kastrationen, Pflege und kontrollierte Fütterung vor.

Die Gesprächsrunde bzw. die heftige und kontrovers geführte Diskussion einigte sich darauf, dass Frau von Boch das Fütterungsverbot überdenkt und den Landesverband über das Ergebnis informiert. Leider kam keine Rückmeldung diesbezüglich. Stattdessen wurden seitens des Linslerhofes “gute Verbindungen” aktiviert, die nicht förderlich für einen tierschutzgerechten Ausgang dieser Sache waren.