Arterhaltung der besonderen Art
Meine Anfrage an den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig
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Der Zoo in Leipzig ist eine GmbH. Und alleiniger Gesellschafter ist die Stadt Leipzig, die vom Oberbürgermeister vertreten wird. Und deshalb stelle ich meine Fragen nicht dem Zoodirektor, sondern gleich dem Oberbürgermeister. Selbstverständlich bekommt der Zoodirektor eine Kopie. Und damit die Angelegenheit etwas mehr Öffentlichkeit erfährt, bekommen die Fraktionen auch gleich eine.
Von: Christina Kremer [info@fueralletiere.de]
Gesendet: Donnerstag, 28. Dezember 2006 16:10
An: info@leipzig.de; office@zoo-leipzig.de
Cc: geschaeftsstelle@CDU-fraktion-leipzig.de; spd-fraktion@leipzig.de; linksfraktion.pds@leipzig.de; gruenefraktion@leipzig.de; mdrenk@leipzig.de; kkeding@leipzig.de; redaktion@lizzy-online.de; bams.leser@axelspringer.de
Betreff: Zoo Leipzig schläfert Bärenjunges ein
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jung,
wie ich dem beigefügten Zeitungsartikel entnehmen konnte, wurde eines der Lippenbärenjungen eingeschläfert, weil
a) die Aufzucht nicht artgerecht und eine spätere Eingliederung des Bären in die Sozialstruktur der Artgenossen nicht möglich sei
b) wegen der großen verwandschaftl. Nähe des Bären Klaus zur Bärin Degenerationen befürchtet würden
Da die Stadt Leipzig zu 100% Gesellschafter des Zoos Leipzig ist, wende ich mich an Sie und bitte um Beantwortung folgender Fragen:
- Warum wurde überhaupt die Vermehrung zugelassen, wenn die genetischen Voraussetzungen eine so ungünstige Prognose für die Jungen haben? Oder wird dieses Risiko billigend in Kauf genommen?
- Warum soll die Einbindung in die Bärengruppe überhaupt notwendig sein, da auch Lippenbären in der freien Wildbahn Einzelgänger sind und sich nur zur Paarungszeit über den Weg laufen? Hat der Zoo schon einmal in Betracht gezogen, die Haltung der Lippenbären tatsächlich artgerechter durchzuführen oder - was noch besser wäre - in Zukunft überhaupt auf die Haltung von Lippenbären ganz zu verzichten? Schließlich fangen die Probleme ja schon beim Speisezettel an: oder züchtet der Zoo Termiten, von denen die Bären in freier Wildbahn reichlich zu fressen haben?
- Die Argumentation, dass keiner gemerkt hat, dass die Bärin trächtig ist, weil sie angeblich noch zu jung ist, deutet auf schwere Mängel im Fachwissen des Zoos hin. Lippenbären in Gefangenschaft werden bereits mit 2 - 3,5 Jahren geschlechtsreif. (Puschmann 1989; Kunze 1995). Auch ist bekannt, dass trächtige Bärinnen durch die permanente Anwesenheit von männlichen Bären erheblich unter Streß stehen und sich dies während und nach der Geburt durch Verstoßung oder Tötung der Jungen äußern kann. Haben die Bärinnen Wurfboxen zur Verfügung, in denen sie auch akustisch von den anderen Bären abgeschirmt sind und ist der Fußboden beheizt?
- Zoos machen für Nachzuchten immer wieder geltend, dass damit bedrohte Arten vor dem Aussterben bewahrt werden sollen. Bekanntermaßen gehören die Lippenbären zu diesen Arten: Und trotzdem leistet man sich den Luxus, einen Bären lieber zu töten, als evtl. irgendwelche Probleme in der Zukunft, die noch nicht einmal als sicher gelten, in Kauf zu nehmen? Wie viele Handaufzuchten wurden denn bisher im Zoo Leipzig oder in den letzten 10 Jahren in anderen Zoos durchgeführt und welche schwerwiegenden Probleme sind denn aufgetaucht, die das Einschläfern eines Jungtieres rechtfertigen würden?
- Die Argumentation, dass die Aufzucht eines Wildtieres durch Menschenhand nicht artgerecht und deshalb abzulehnen sei, wird wohl nur vom Zoo Leipzig vertreten. Wie wäre es sonst zu erklären, dass Menschenaffen, Wildvögel, etc. sehr wohl von Menschen gepäppelt und versorgt werden. Zuletzt konnte man diese Handhabung bei einem kleinen Kragenbären sogar im Fernsehen bewundern.
- Wurde die Entscheidung, das Bärenjunge einzuschläfern, auch von den Pflegern befürwortet oder war das der einsame Entschluß des Geschäftsführers? Und bitte ziehen Sie sich bei dieser Frage nicht auf die Zuständigkeitskompetenzen zurück. Es wurden bereits Gerüchte laut, dass die Pfleger gegen die Einschläferung gewesen sind.
- Durch welche Maßnahmen will der Zoo in Zukunft sicher stellen, dass die Aufzucht der Lippenbären erfolgreicher verläuft?
Für Ihre Mühe im voraus herzlichen Dank.
Mit freundlichen Grüßen
Christina Kremer
www.fueralletiere.de