Mittelalter in Solingen
Hauptsache, gesellschaftlich anerkannt
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Die Staatsanwaltschaft macht es sich wieder einfach. Da muß es sich beimn Hahneköppen nur um eine gesellschaftlich anerkannte und vom Ordnungsamt geduldete Tradition handeln und schon wird das Tierschutzgesetz ausgehebelt. Eine ziemlich seltsame Rechtsauffassung.
Antwort der Generalstaatsanwaltschaft :

Da hätte ich denn nun gerne gewußt, wie die Stadt Solingen dazu steht.
Herrn
Oberbürgermeister
Franz Haug
Cronenberger Str. 59/61
42651 Solingen
Bergheim
29.01.2006
Ermittlungsverfahren gegen den Verein Hahneköppen Ruck Zuck e.V.
Sehr geehrter Herr Haug,
am 27.08.2005 veranstalte der o.a. Verein sein alljährliches Hahneköppen. Am 05.10.2005 hatte ich Strafanzeige gegen den Vorstand des Vereins gestellt, da nach § 17 Abs. 1 TSchG ein Tier nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden darf. Die Staatsanwaltchaft konnte sich meiner Meinung nicht anschließen und hat das Verfahren mit der Begründung eingestellt, dass die verantwortlichen Vereinsmitglieder " unwiderlegt von einer Erlaubnis aufgrund gesellschaftlich anerkannter und vom Ordnungsamt geduldeter Tradition ausgingen".
Unabhängig davon, dass ich diese Rechtsauffassung sehr befremdlich finde, weil sie im Extremfall jedes Gesetz aushebelt, so kann es doch nicht sein, dass eine Stadt solch einem rohen Treiben tatenlos zusieht.
Auch wenn das Hahneköppen angeblich schon Tradition hat, so kann man auch Traditionen ändern. Zumal nicht einzusehen ist, dass für dieses mittelalterliche Gemetzel ein Tier unnötigerweise sterben muß.
Andere Kommunen sind übrigens derselben Auffassung, denn bereits 1988 hat der OKD Olpe das sogenannte „Gänsereiten“, das genau so wie das Hahneköppen abläuft, gem. § 17 Nr. 1 TSchG verboten. Und auch in Dortmund hat das Ordnungsamt derartiges Treiben untersagt.
Es gibt im übrigen inzwischen jede Menge Vereine, die für ihre Veranstaltungen Attrappen benutzen. Und es ist auch nicht nachvollziehbar warum das in Solingen nicht auch möglich sein soll.
Ich bitte deshalb um Ihre Stellungnahme, ob Sie bereit sind, für die Zukunft solche Veranstaltungen zu untersagen, wenn dafür ein Hahn getötet wird, anstatt eine Attrappe zu verwenden.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Christina Kremer
Dieses Schreiben haben übrigens alle Ratsfraktionen in Solingen zur Kenntnisnahme und mit der Bitte um Unterstützung erhalten.