Mittelalter in Solingen
Ein "entzückender" Leserbrief
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Ab und zu bekomme ich ja auch sogennante Leserpost. Und wenn sie einen direkten Bezug zu Themen auf meiner Homepage haben, veröffentliche ich sie auch manchmal. Dieser hier ist ganz "entzückend" und deshalb möchte ich ihn auch dem Rest der Leserschaft nicht vorenthalten. Anmerken möchte ich, dass ich den vollständigen Namen sowie Adressdetails aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht habe. Wegen der besseren Lesbarkeit habe ich da, wo es nötig ist, Satzzeichen, Kommata und Absätze eingefügt. Ansonsten ist der Brief so veröffentlicht, wie ich ihn bekommen habe.
Gesendet: Samstag, 11. März 2006 23:45
An: info@fueralletiere.de
Betreff: Homepage-Kontakt-Mail
Vorname: Monika
Name: R.
eMail: tr@rogi.de
Strasse: NN
PLZ: NN
Ort: solingen
Nachricht:
haben sie sich eigentlich einmal richtig informiert? sie schreiben hier von tierqäulerei,wisen sie eigentlich, das das tier veterinärmäßig getötet wird? und es handelt sich hier weder um tierqäulerei noch um sonst eine schweinerei.
sie können mir glauben ich, bin auch gegen tierversuche oder der gleichen; es wird einfach nur eine alte tradition weiter geführt und aufrecht gehalten. diese traditio besteht schon seit 1933 und ich glaube, das allein ist es schon wert, das man diese aufrecht erhält.
es istb in der heutigen zeit schon schwer genug einen verein am leben zu erhalten und ich glaube das diese vereine es schon schwer genug haben zu überleben. um noch einmal auf das köppen zurück zukommen: würden sie wenn ein kind mißbraucht wird auch so auf die barrikaden gehen und bis zur letzten instanz kämpfen? ich glaube dafür hätten sie nicht den richtigen dreh, aber solche kleinen vereine wollen sie verurteilen,das kann doch nicht ihr ernst sein. am besten ist es, sie gehen einfach mal zu einem solchen fest und reden mal mit leuten, die etwas davon verstehen. haben sie vieleicht noch nie eine mücke getötet? das wollen sie mir ja nicht weiß machen, denn auch eine mücke ist ein tier und der hahn, der in diesem korb hängt, ist nichts anderes. er ist nicht nur alt, sondern wäre sowieso auf dem scheiterhaufen gelandet.
es mag ja sein, das die hähne nicht mehr zum verzehr gebraucht werden, aber sie werden doch einem ordnungsmäßigem tode zugeführt und ich glaube, das diese hähne einen tod haben der wenigsten keine lange zeit dauert.
aber haben sie schon einmal überlegt, welche qualen hähne oder hühner sterben, die in einer legebaterie leben. ist das vieleicht tiergerecht gehalten. ich bitte sie, lassen sie doch den kleinen hahneköppervereinen ihren spass. es sind immerhin alte und nicht mehr für den verzehr oder sonst irgendwas geeignete tiere.
haben sie eigentlich sonst keine hobbys als kleine vereine zu ruinieren? sie sollten besser auf die barrikaden gehen, wenn mann an die rente will oder dem kleinen mann an die ersparnisse geht. aber dafür fehlt ihnen ja wohl der mut. aber kleine vereinen in den ruin zu treiben, das ist ja wohl ihr ziel. mal ganz ehrlich, was haben sie eigentlich davon? ich würde ja jetzt etwas sagen, aber das verbietet mir meine gute erziehung.
bis dahin verbleibe ich mit den besten grüßen
ihre monika r.
Mein Kommentar:
Der Hahn wird "veterinärmäßig" getötet. Diese Tötungsart ist mir unbekannt. Ich nehme mal zugunsten von Frau R. an, dass eine Tötung nach dem Tierschutzgesetz gemeint ist. Dies wird den Hahn aber ganz sicherlich auch nicht trösten. Tot ist nämlich tot.
Ich habe da so meine Zweifel, ob Frau R. sich schon mal ernsthaft mit dem Thema Tierversuche auseinander gesetzt hat. Die ziemlich undifferenzierte Argumentation in ihrem Brief läßt mich vermuten, dass ihre Ablehnung von Tierversuchen und "der gleichen" ziemlich nebulös begründet ist. Aber, und das gebe ich zu, ist Spekulation und ich nehme diesen Satz mal so hin.
Die Auffassungen von Frau R. zur Pflege des Brauchtums sind doch schon mehr als befremdlich. Nur weil ein Brauch schon einige Jahrzehnte ausgeübt wird, ist er schon allein deshalb erhaltenswert? Ob das auch für die Sklaverei oder die Hexenverbrennung gilt? Letztere soll Berichten zufolge dem Publikum auch ziemlichen Spaß gemacht haben. Den verbrannten Menschen (Frauen und Männern) wohl weniger.
Angriff ist die beste Verteidung. Und wenn einem sonst nichts gescheites einfällt, dann begibt man sich am besten auf das Feld der persönlichen Beleidigungen und Unterstellungen. Wenn man sich im Tierschutz engagiert, hat man sich auch gefälligst um die Menschen zu kümmern. Umgekehrt habe ich übrigens diese Forderung noch nie gehört. Das ist auch verständlich, da der Mensch ohnehin die Krone der Schöpfung ist und deshalb überall und jederzeit Vorrang genießt. Bei dieser Einstellung wundert es mich allerdings nur, dass es noch so viel menschliches Elend gibt. Aber offensichtlich wird immer nur von Tierschützern Engagement anstatt oder zusätzlich für die Menschen verlangt, während die Kritiker bis auf empörte Briefe die Hände untätig in den Schoß legen. Das Kehren vor der eigenen Haustür ist aus der Mode gekommen.
Ich gestehe, ich habe die ein oder andere Mücke und auch Zecke schon vom Leben zum Tode befördert. Aber nicht zum eigenen Vergnügen und auch nicht, weil sie schon alt und sowieso auf dem Scheiterhaufen gelandet wäre. Die Altersbestimmung hätte sich übrigens sehr schwierig gestaltet und wurde deshalb aus naheliegenden Gründen gar nicht erst vorgenommen.
Und jetzt kommt auch noch die Religion ins Spiel: "ich glaube, das diese hähne einen tod haben der wenigsten keine lange zeit dauert". Nun , ich will das doch sehr hoffen, denn entweder wurden die Tiere "veterinärmäßig" getötet oder irgend etwas stimmt mit der Sachkenntnis des Henkers nicht. Was an einemm Tod übrigens "ordnungsgemäß" sein soll, habe ich nicht verstanden. Das ist wahrscheinlich eine intellektuelle Frage, die über meinen Horizont geht.
Mit dem weiteren Argument hinsichtlich der Qualen der Hühner in Legebatterien in Bezug auf das Hahneköppen bin ich ebenfalls intellektuell überfordert. Soll ja mal vorkommen. Was ich aber sofort verstanden habe, ist die Mißachtung tierischen Lebens, die Frau R. da zum Besten gibt. Bist Du alt und kann man Dich nicht mehr fressen oder sonstwie nutzen, will ich wenigsten noch meinen Spaß mit Dir haben. Ob Frau R. Haustiere hat und mit denen auch so umgeht?
In Renten- oder Vermögensfragen fühle ich mich nicht kompetent genug. Ich befinde mich da allerdings in bester Gesellschaft. Unserer Regierung geht's nicht anders. Und es fehlt mir an der Zeit, mir in diesen Fragen die nötige Kompetenz zu erarbeiten. In der Tat bin ich nicht mutig genug, mich absichtlich auf Gebieten, von denen ich nichts verstehe, bis auf die Knochen zu blamieren. Aber vielleicht verfügt ja Frau R. über die nötige Kompetenz, um sich auf diesem Gebiet zu engagieren. Frau Dr. Merkel und Co sind bestimmt für jede fachliche Beratung in diesen Dingen dankbar.
Die Anregung, kleine Vereine hobbymäßig zu ruinieren, werde ich aus humanitären Gründen nicht aufgreifen. An dem "Ruin" dieser Hahneköppervereine habe ich auch gar kein Interesse. Es liegt mir lediglich daran, dass die echten Tiere durch Attrappen ersetzt werden. Und das hat noch keinen Verein ruiniert.
Ich würde ja jetzt etwas zu Frau R. sagen, aber das verbietet mir meine gute Erziehung.