Mittelalter in Solingen
Der Oberbürgermeister wird auch noch mal bedacht

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Der Oberbürgermeister hat sich bis jetzt standhaft ausgeschwiegen und die Bearbeitung an seine Mitarbeiter delegiert. Prinzipiell in Ordnung - wenn denn die Mitarbeiter nicht so engagiert und entschlußfreudig wären. Da soll er doch wissen, was ich von dieser Sachbearbeitung halte:

Oberbürgermeister
Franz Haug
Cronenberger Str. 59/61

Bergheim, 21.05.2006

42651 Solingen


Sehr geehrter Herr Haug,

in dem o.a. Artikel unter dem Link http://www.solinger-tageblatt.de/sro.php?redid=41137&archivredid=1142468&archiv=1 ist folgende Passage zu finden:

“Die Stadtverwaltung schließt sich dem an - und empfiehlt den Vereinen, auf echte Tiere zu verzichten. "Das ist aber eine absolut freiwillige Angelegenheit", betont Stephan Trunk vom Ordnungsamt. "Wir werden das nicht mit behördlichen Mitteln durchsetzen." In der laufenden Hahneköpper-Saison will Trunk die Brauchtumspfleger noch in Ruhe lassen. Erst danach werde er einen Brief an die Vereinsvorsitzenden schreiben“.

Im Klartext: Dieses Jahr rührt die Stadt Solingen noch keinen Finger, um den Hähnen das Leben zu retten. Ich finde das ungeheuerlich. Genauso ungeheuerlich übrigens, wie die Tatsache, dass Herr Trunk mir in einem Telefongespräch gegenüber geäußert hat, dass er nur deswegen den Vereinen das Töten der Tiere nicht untersagt, weil er die Kosten eines Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht vermeiden will. Im Gegensatz zur Stadt Dortmund wird in Solingen der Tierschutz wohl nicht ganz so groß geschrieben. Würde Herr Trunk auch so zögerlich handeln, wenn anstatt der Hähne Katzen oder Hunde geköpft würden? In anderen Ländern ist das auch guter alter Brauch. Warum dann nicht auch in Deutschland? Macht doch eigentlich keinen Unterschied, oder doch?

Offenbar ist es für die Stadt Solingen auch keine Frage der Ethik, ob man Tiere – egal welcher Spezies – für das barbarische und steinzeitlich anmutende Ritual zum Zweck der Volksbelustigung opfert oder nicht. Die Achtung vor dem Leben unserer Mitgeschöpfe ist wohl nicht cool genug und das überläßt man wohl besser den spinnerten Tierschützern. Dass die Ausübung dieses „Brauchtums“ aber gleichzeitig Ausdruck einer immer mehr verrohenden Gesellschaft ist und für die Öffentlichkeit damit das falsche Signal gesetzt wird, darüber haben sich bisher die meisten Kommunen und auch die Politiker noch keine Gedanken gemacht. Und in Solingen wohl auch niemand, allen voran Sie und der Rest der Verwaltung. Und weil ich das schon vorher wusste, habe ich beim Petitionsauschuß des Deutschen Bundestages eine öffentliche Petition eingereicht, die das Töten von Tieren bei eben solchen barbarischen Veranstaltungen untersagen soll. Die Petition befindet sich übrigens z.Z. in der parlamentarischen Prüfung.

Und da ich das Leben der Hähne auch nicht von dem überwältigenden Engagement Ihres Herrn Trunk abhängig machen wollte, habe ich die Hahneköppervereine angeschrieben und ihnen angedroht, dass ich meinen Anwalt beauftragt habe, gegen jeden Vorstand Strafanzeige erheben zu lassen, der keine Attrappen beim Hahneköppen verwendet. Das Argument der Staatsanwaltschaft, dass die Vereine wie im Falle des Vereins Ruck Zuck gutgläubig waren, dürfte dann spätestens nach meinem Schreiben nicht mehr ziehen, wenn der gute Glaube nicht schon längst durch die Artikel im Solinger Tageblatt zerstört worden ist. Mein Rechtsanwalt ist übrigens der gleichen Ansicht.

Zu Ihrer Information möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass ich den Datenschutzbeauftragten des Landes NRW um Überprüfung gebeten habe, ob die Weigerung des Herrn Trunk, mir die Stellungnahme des RP Düsseldorf zu übersenden, rechtens ist. Herr Trunk hatte mir selbiges mit dem Hinweis verweigert, dass das Schriftstück verwaltungsinterne Vermerke enthält und er mir deshalb die Stellungnahme nicht zur Verfügung stellen könne. Ich solle doch beim RP anrufen. Was ich von dieser Auskunft halte, können Sie meinem Schreiben an den Datenschutzbeauftragten entnehmen, das ich auf meiner Homepage veröffentlicht habe. Wie übrigens den bisherigen gesamten Schriftverkehr - incl. des gesammelten Schweigens - auch. Stichwort: Mittelalter in Solingen.

Inzwischen habe ich die Information erhalten, dass sich mittlerweile auch der WDR für die Geschichte interessiert. Zur Abwechslung mal aus Sicht des Tierschutzes. Wie dann die Stadt Solingen incl. der geschätzten Politikerschaft dabei weg kommt, überlasse ich Ihrer Phantasie. Meinen Teil werde ich dazu beitragen, dessen können Sie sicher sein.

Um das Solinger Tageblatt der Mühe zu entheben, auf meiner Homepage nachzulesen, hat die Redaktion dieses und auch die Schreiben an die Vereine und Parteien in Durchschrift von mir enthalten. Der WDR übrigens auch. Mit freundlichen Grüßen
Christina Kremer