Leiden für den Luxus
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Am interessantesten - und ungeheuerlichsten - erscheinen die Antworten des Herrn Schäfer im Zusammenhang mit einigen Aussagen
die ich auf der Homepage der Firma gefunden habe. Um das ganze Ausmaß der Ausbeutung abschätzen zu können
muß man wissen
dass es vom Stör ca. 26 Arten gibt
von denen vorwiegend 3 Arten als Kaviarlieferanten dienen. Hier einige Angaben aus dem Internet:
Wissenswertes über Störe
BELUGA (Hausen - huso huso) Als einziger Raubfisch unter den Stören ist der Beluga auch der grösste seiner Art und kann bis zu vier und mehr Meter lang werden. Sein Normalgewicht variiert zwischen 50 und 300 kg. Vereinzelte Exemplare dieser seltensten Störart wiegen auch über 1000 kg. Die durchschnittliche Kaviarausbeute liegt bei ca. 15 kg.
OSCIETRE (Acipenser gueldenstaedti) Seltene Exempiare dieses Allesfressers wiegen 200 kg und werden zwei Meter lang. Das Normalgewicht liegt zwischen 20 kg und 80 kg. Die Ausbeute an Kaviar zwischen 3 und 12 kg.
SEVRUGA (Acipenser Stellatus) Dieser zeichnet sich durch die spitze
leicht nach oben gerichtete Nase aus.Er wird bis zu 1
5 Meter lang
wiegt aber höchstens 25 kg. Die durchschnittliche Kaviar-Ausbeute liegt bei 1 kg bis 3 kg.
Betrachten wir jetzt einmal die Antworten des Herrn Schäfer (die Ziffern entsprechen den Ziffern der Antworten).
- Die Menge des entnommenen Rogens beträgt ca. 10 - 15 % des Lebendgewichts.
Kommentar: Bei einen durchschnittl. Gewicht von 80- 130 Kg sind das 8-19
5 Kg Rogen. Bei dieser Menge muß die Prozedur ziemlich lange dauern und ist bestimmt mit Schmerzen verbunden. Denn eine Betäubung findet ja wohl nur in Aunahmefällen statt. (vgl. Nr. 4)
- Im Zuge der Vermehrung mehrfach alle 1-3 Jahre
im Zuge der Kaviarentnahme nur einmal
da es geschlachtet wird (gesetzliche Vorschrift)
Kommentar: Störweibchen laichen in der Natur einmal im Jahr. Hier müssen sie die Prozedur mehrmals innerhalb eines Jahres über sich ergehen lassen. Im schlimmsten Fall jedes Jahr
im günstigsten Fall alle drei Jahre. Und das jeweils “mehrfach”.
- Sollte ein winziger Schnitt zur Erleichterung des Abstreifens erfolgen
wird vorher betäubt. Die Wunde ist nur ca. 1-2 cm lang und verheilt sehr schnell.
Kommentar: Eine Betäubung findet also nur in diesem Fall statt. Von einer Nachversorgung mit Schmerzmitteln ist nicht die Rede. Muß der Fisch halt aushalten. Und da sich “gerinfügig” Narbengewebe bildet
ist es zweifelhaft
ob der Heilungsprozeß im Wiederholungsfalle nicht doch verlängert wird. Jeder
der eine Blinddarmoperation hinter sich hat
wird nachvollziehen können
dass es durchaus im Bereich des Möglichen ist
dass die Narben dieser Schnitte noch längere Zeit danach schmerzen können. Bei Fischen dürfte das nicht anders sein. Zumal diese Narben ja immer wieder aufgeschnitten werden können. Mehrmals im Jahr. Wie lange dann so eine Wunde Zeit hat zu verheilen
kann man sich dann leicht ausmalen.
Aber nicht nur die Antworten des Herrn Schäfer entlarven die Ausbeutung des Störs
sondern solche Anmerkungen sind auch auf der Homepage der Firma zu finden. Hier allerdings unter dem Deckmantel von “artgerechter” Haltung und Kundenfreundlichkeit.
Hier nun einige markante Sätze:
Artgerechte Tierhaltung ohne Umweltbelastung garantiert «Genuss auf höchstem Niveau»
http://www.caviar-creator.de/ger/index.php?choice=manufacture
Die Steuerung von Umgebungslicht und -temperatur erlaubt einen artgerechten und zugleich wirtschaftlichen Betrieb.
http://www.caviar-creator.de/ger/index.php?choice=breed
Seit 1998 steht der Stör unter Artenschutz. Aquakultur-Zuchtanlagen bieten dem wertvollen Tier einen neuen
geschützten Lebensraum.
http://www.caviar-creator.de/ger/index.php?choice=aqua
Frage
In der Zucht lassen sich Umgebungslicht und –temperatur steuern. Die Störweibchen laichen in kürzeren Abständen als in der freien Natur. Beeinträchtigt das die Qualität des Kaviars und das Wohlbefinden der Tiere?
Antwort
Temperatur und Licht werden so gesteuert
dass die Fische sich Wohlfühlen. Im Unterschied zu wild lebendem Stör
der im Rhythmus der Jahreszeiten lebt und deshalb nur im Frühjahr laicht
lebt der Zuchtstöre sozusagen «immer im Sommer». Dadurch wachsen sie schneller
ohne einen Überlebenskampf führen zu müssen. Außerdem kennen unsere Zuchtstöre keine anderen Lebensumstände
die sie deshalb auch nicht «vermissen» können.
http://www.caviar-creator.de/ger/index.php?choice=faq
Halten wir noch einmal fest:
- Durch die entsprechende Steuerung von Licht und Temperatur wird der Zyklus der Störweibchen so gesteuert
dass sie mehrmals im Jahr laichen
oder besser gesagt
gelaicht werden. Man will ja schließlich nichts dem Zufall überlassen.
- Weil die Störe keinen Überlebenskampf führen müssen und außerdem auch gar nichts anderes kennen
müssen sich die Tiere doch einfach wohlfühlen
oder etwa nicht? Schließlich leben die “wertvollen” Tiere anstatt in freier Natur
nun in einem “neuen
geschützten Lebensraum”. Dass sie mehrmals im Jahr ihren Laich abgeben müssen und/oder ein bisschen geschitten werden
fällt wohl nicht ins Gewicht. Hauptsache “geschützter” Lebensraum. Zumindest bis sie geschlachtet werden.
Hatte ich schon erwähnt
dass Störe in der Natur über 100 Jahre alt werden können?
Fazit: Auch hier versucht wieder eine Firma auf Kosten der Tiere ihre Gewinne zu machen. Artgerechte Tierhaltung und “Genuß auf höchstem Niveau” sind eben nicht vereinbar
zumindest dann nicht
wenn der Genuß ausschließlich auf seiten des Menschen besteht.